Offene Fragen zu (Covid)-Verstorbenen in den offiziellen Statistiken

Intensivbetten in Deutschland (26.11.2020)

Intensivbetten in Deutschland (Stand: 26.11.2020); Quelle: DIVI (intensivregister.de)

Beim Vergleich der täglichen Corona/Covid-Todesfälle, die das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Deutsche Intensivregister (DIVI) veröffentlichen, fällt auf, dass die RKI-Zahlen regelmäßig deutlich höher sind als die des DIVI. Beispiele (Daten aus den Tagesreports des RKI bzw. DIVI):

Datum RKI DIVI
25.11. 410 153
24.11. 249 136
23.11. 90 116
22.11. 138 122
21.11. 254 94
20.11. 260 46
19.11. 251 101

Zu berücksichtigen ist, dass sich die RKI-Zahlen auf den Zeitraum von Mitternacht bis Mitternacht des jeweiligen Tages beziehen, die DIVI-Daten jedoch von Mittag zu Mittag des darauf folgenden Tages (Referenzzeit: 12:15 h). Summiert man diese Zahlen, errechnet also die Todesfälle in der letzten Woche, sollte dieser Unterschied aber nicht relevant sein. Beim RKI ergeben sich so 1.652, beim DIVI 768 Corona-Tote in der letzten Woche.

Auch zuvor waren die RKI-Zahlen üblicherweise ca. doppelt so hoch wie die des DIVI. Unterschiede in den Zahlen sind grundsätzlich verständlich, da beim RKI alle mit Corona in Verbindung gebrachten Todesfälle, beim DIVI dagegen nur Krankenhausfälle berichtet werden. Dass beim DIVI jedoch nur die Hälfte aller Todesfälle registriert sind, ist verwunderlich: man würde annehmen, dass die meisten Patienten mit lebensbedrohlichen Verläufen ins Krankenhaus kommen bzw. intensivmedizinisch behandelt werden und im schlimmsten Falle auch dort versterben.

Deshalb stellen sich zumindest zwei Fragen:

  1. Gibt es eine hohe Anzahl von Krankenhäusern, die nicht im DIVI-Register erfasst werden?
  2. Falls nein: Wo und wie kommen die vielen Covid-Patientinnen und Patienten zu Tode, die nicht auf Intensivstationen sterben.

 

Posted by Günther Schmelzeisen-Redeker