Geschichte – Nachlässe

Viele Menschen interessieren sich für Geschichte, für die Vergangenheit der eigenen Familie, die Entwicklung des Ortes und des Landes, in dem man lebt und aufgewachsen ist, für politische Zusammenhänge, Grenzziehungen von Nationen, aber auch für Kooperationen zwischen Ländern und Regionen. Jeder, der sich nicht nur rezipierend, sondern aktiv und ausdauernd einer Thematik widmet, wird die Schwierigkeiten eines Laien spüren, wenn es gilt, Nachforschungen anzustellen, Quellen zu finden, plausibel zu selektieren oder einzuordnen und die Ergebnisse von Einzeluntersuchungen in eine Gesamtsicht einzubetten. Die Arbeit des Historikers muss gelernt sein, methodisch genauso wie in inhaltlicher Breite und Bewertung.

Historiker und Biographien

Dennoch machen viele Geschichtsinteressierte mit Hintergrundwissen die Erfahrung, dass Veröffentlichungen von Historikern sonderbar einseitig sein können, eher vom Willen geprägt sind, eine Ausgangsthese unbedingt beweisen zu müssen, anstatt anderen Perspektiven Raum einzuräumen und Sachverhalte zu hinterfragen oder zu reflektieren. Diesem Reiz unterliegen besonders alle Untersuchungen, die mit biographischem Material arbeiten, denn nichts ist leichter, als Zitate aus Kontexten herauszuschneiden und der eigenen These zuzuordnen. Zitat eines Historikers, den ich einmal zu einer Frage eines Briefwechsels kontaktiert hatte: „Nachdem ich zwei Zitate in den Briefen gefunden hatte, die meine These unterstrichen, habe ich mich nicht mehr näher mit der Quelle und dem Absender beschäftigt. Ich hatte das, was ich wollte. Mehr kann ich Ihnen dazu nicht sagen.“

Unerwartete Nachlässe

Aktuell gewinnen zeitgenössische Dokumente aus dem Alltagsleben der Menschen des frühen 20. Jahrhunderts für Historiker an Bedeutung. Berichte von Angehörigen über unerwartet vorgefundene schriftliche Nachlässe verstorbener Familienmitglieder häufen sich. Eine Generation, die über ihre Jugendjahre lieber schwieg, wollte oder konnte sich oft nicht trennen von Persönlichem ihrer Vergangenheit, von Briefen, Tagebüchern oder Fotografien, die eine Zeit voller Sorge, Not und Scham, aber auch jugendlicher Lebensfreude und Zukunftsträumen beschrieben. Für die historische Rückschau ziehen solche zeitgenössische Dokumente ihren Wert aus der unmittelbaren Dokumentation des Erlebens.  In einer erinnernden Rückblick verfälscht sich hingegen vieles, denn das Gedächtnis trügt, vermischt Erlebnisse und Einschätzungen.

Meine Expertise

Der Umgang mit solchen Nachlässen, so meine eigene Erfahrung, ist schwierig. Schwierig, was die Einschätzung der Dokumente angeht, komplex und zeitaufwändig, was die Aufarbeitung betrifft und langwierig bei der Klärung der Frage, ob und wem man sich anvertraut. An dieser Stelle ich kann aufgrund langjähriger Erfahrung mit diversen Nachlässen unterstützend wirken. Gerne begleite ich Nachlassbesitzer bei einer ersten Einschätzung des Materials, Ansätzen zum quellenkritischen Umgang mit den Dokumenten und dem Aufzeigen möglicher Wege der Bearbeitung.