Profil Dorothea Redeker

Mehr als 30 Jahre habe ich mich mit digitalen Themen beschäftigt, zunächst als Programmiererin und Designerin von Software, ein paar Jahre später als Vertrieblerin und Vertriebschefin für Anwendungen in der Bibliothekswelt auf internationaler Bühne. Studiert habe ich ursprünglich Chemie und Geografie für das Lehramt, mit Freude für die Inhalte meiner Studienfächer, aber Ende der 1980er Jahre wegen des Einstellungsstopps der öffentlichen Hand ohne Aussicht auf eine Stelle.

Berufsstart in der IT-Branche

Stattdessen verschlug es mich Ende der 1980-er Jahre in die IT-Branche, eine Entwicklung, für die ich im Rückblick sehr dankbar bin. Denn in den Geburtsstunden der kommerziellen Anwendung von IT-Lösungen habe ich die Grundlagen digitalen Denkens, das Denken in Bits und Bytes, in Strukturen und Algorithmen kennengelernt und angewandt. Die Bedeutung des Internets, die Wirkung sozialer Netzwerke und damit die gesellschaftliche Komponente der Digitalisierung in den heutigen Dimensionen konnte sich damals allerdings niemand vorstellen. Absehbar waren Veränderungen in der Arbeitswelt, so z.B. in der chemischen und pharmazeutischen Forschung, die sich von großen Datenbeständen eine Beschleunigung und Verbesserung analytischer Methoden und Syntheseverfahren versprach. Bei Chemical Concepts, einem vom Bund geförderten Start-Up-Unternehmen des Verlags Chemie – heute Wiley -, legten wir Anfang der 1990-er Jahre die Grundlagen für die Weiterentwicklung bestehender Systeme und deren internationale Vermarktung.

Verbindung von Technologie und Sozialwissenschaften

Von Beginn an interessierten mich die mit der Digitalisierung verbundenen gesellschaftlichen Fragen, am Anfang eher aus einer technologischen Perspektive, mit Eintritt als Geschäftsführerin für die Buchhandelssparte beim Börsenvereins des Deutschen Buchhandels 2003 immer stärker aus einem wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Blickwinkel. Entstanden ist daraus eine Dissertation am Institut für Humangeografie der Universität Frankfurt über die Zukunftschancen des kleinen und mittelständischen Buchhandels. Die Ergebnisse meiner 2010 veröffentlichten qualitativen Studie haben von ihrer generellen Gültigkeit nichts eingebüßt, im Gegenteil: Sie finden heute Eingang in die Konzepte aller Buchhandelstypen und -größen. Seit 2008 konzentrierte ich mich als selbstständige Unternehmerin auf sozial- und geisteswissenschaftliche Themen, habe meine Geschäftspartner als „Übersetzerin“ und Analytikern bei der Entwicklung und Bewertung übergreifender Konzepte unterstützt. Konzepte, die nicht nur den unmittelbaren Unternehmenszweck im Auge hatten, sondern Konsequenzen für Gesellschaft, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Kunden mitdachten und in das angestrebte Geschäftsmodell integrierten. Als freiberufliche Wissenschaftlerin widmete und widme ich mich darüber hinaus eigenen Projekten, in denen disziplinübergreifende Fragestellungen im Mittelpunkt stehen.

Ehrenamt

Ehrenamtliches Engagement war für mich immer ein wichtiger Teil meines Lebens – wir leben in einem Land, das uns über 70 Jahre individuelle Freiheit, Chancen und Mitgestaltungsmöglichkeiten geboten hat und bietet. Selbstverständlich ist das nicht, diese Errungenschaften müssen immer wieder neu ins Bewusstsein gerufen und – der gesellschaftlichen Entwicklung entsprechend – angepasst werden. Unser Zusammenleben funktioniert dabei nur, wenn wir es schaffen, eine Balance zwischen individuellen Bedürfnissen und Gemeinsinn herzustellen.  Seit 2020 habe ich mich aus dem Berufsleben zurückgezogen und arbeite ausschließlich ehrenamtlich.

Tabellarischer Lebenslauf

 
 

Buchveröffentlichungen

  • Der Physikus – Als Public Health noch Volksgesundheit hieß; Bensheim, 2016( Vergriffen)
  • Quo vadis, Buchhandel? – Vom klassischen Händler zum Anbieter partizipativer Lösungen
    Die Entwicklung neuer Standortprofile im Einzelhandel aus der Perspektive deutscher Buchhändler; Frankfurt, 2010